Sonnenschirm-Stoff: Acryl, Polyester, PVC oder PTFE?
Welches Tuch auf den Gastroschirm gehört, entscheidet die Nutzung: nur Sonne, auch Schauer, ganzjährig, bedruckt. Die Werte stehen im Datenblatt, nicht im Stoffnamen.

Für den Gastro- und Hotelschirm gibt es vier Stofffamilien. Acryl (spinndüsengefärbt) hält die Farbe lange; die Datenblätter nennen aber nur rund 350 mm Wassersäule. Beschichtetes Polyester ist meist leichter und erreicht 1.000 mm. PVC-beschichtetes Gewebe ist dicht und als B1 erhältlich. PTFE-Glasgewebe gehört meist zum festen Membrandach; Ipomea setzt es auch an einem Großschirm ein. Hohen UV-Schutz nennen die Hersteller für die meisten Schirmtücher; der Wert hängt von Prüfverfahren und Farbe ab. Entscheiden Sie nach Nutzung und verlangen Sie die Werte aus dem Datenblatt dieses Tuchs.
Welcher Stoff passt zu welcher Nutzung?
| Ihre Nutzung | Übliche Stofffamilie | Im Datenblatt verlangen |
|---|---|---|
| Nur Sonne, Saisonbetrieb, Farbe soll halten | Spinndüsengefärbtes Acryl oder Polyester | Lichtechtheit ≥ 7 (ISO 105-B02) |
| Sonne plus Schauer, Service bleibt draußen | Beschichtetes Polyester oder PVC-Gewebe | Wassersäule (ISO 811), Naht genäht oder verschweißt |
| Event, Regenbetrieb, Brandklasse verlangt | PVC-beschichtetes Polyester | Brandverhalten (B1 nach DIN 4102-1, falls verlangt), Flächengewicht |
| Druck für Brauerei oder Sponsor | Je nach Druckverfahren und Hersteller | Bedruckbarkeit, gilt die Brandklasse auch bedruckt? |
| Ganzjährig stehend, Membrandach oder Sondergroßschirm | PTFE-beschichtetes Glasgewebe | Flächengewicht, Brandverhalten, Tragwerk (PTFE) |
Keine Rangfolge, kein Testsieger. Dieser Text vergleicht Stoffe nach Herstellerangaben. Er ist kein Prüfbericht und kein Standsicherheitsnachweis: Ob der Schirm im Wind hält, entscheiden Gestell, Anker und Schließzeit, nicht das Tuch.
Fragen an den Lieferanten:
- Stoffqualität und Farbnummer?
- Lichtechtheit nach ISO 105-B02?
- UV-Wert mit Prüfverfahren?
- Wassersäule nach ISO 811, Naht genäht oder verschweißt?
- Brandklasse, auch bedruckt?
- Imprägnierung PFAS-frei?
Acryl oder Polyester: Was trennt die Datenblätter?
Legt man die Datenblätter von Bahama, Glatz, Ipomea und MAY nebeneinander, trennen zwei Dinge die Tücher stärker als die Faser:
- Färbung entscheidet die Lichtechtheit. Spinndüsengefärbte Tücher liegen bei Stufe 7 und höher, auch Polyester: Glatz nennt für sein spinndüsengefärbtes Polyester (Stoffqualität 4) Stufe 7, für das stückgefärbte (Stoffqualität 2) Stufe 5–6.
- Beschichtung entscheidet die Wassersäule. Für Acryl nennen die Datenblätter mindestens 350 mm (Bahama, Glatz) und 370 mm (MAY); MAY nennt sein Acryl „wasserabweisend“, Bahama spricht von „hoher Wasserdichtigkeit“. Beschichtetes Polyester (Bahama, Ipomea) und MayTex-Poly erreichen 1.000 mm, MayTex-PVC mehr als 1.000 mm. Beide nennt MAY „wasserdicht“. Bahama nennt sein PVC-Tuch „100 % wasserdicht“, ohne Millimeterwert. Die Polyesterqualitäten von Glatz liegen bei über 100 und über 150 mm, Bahamas Polyestergewebe Swela elegance bei 350 mm — Polyester allein macht ein Tuch also nicht dicht.
Für die Terrasse heißt das: Wer nur Sonne braucht und Farbe über Jahre halten will, fragt nach spinndüsengefärbter Ware. Wer bei Schauer offen bleibt, fragt nach Beschichtung und Wassersäule — und nach der Naht. Das farbtreueste Tuch ist nicht automatisch das dichteste.
Was bedeuten die Werte im Datenblatt?
Lichtechtheit: wie lange die Farbe hält
Geprüft nach DIN EN ISO 105-B02 (Xenonbogenlicht) gegen die blauen Wolltypen 1 bis 8; MAY schreibt dazu „1 = min., 8 = max.“. Glatz rechnet die Stufen zusätzlich in Tage bis zur ersten Farbveränderung um: mindestens 80–160 Tage bei Stufe 5–6, mindestens 350 Tage bei Stufe 7, 350–700 Tage bei Stufe 7–8. Glatz nennt dazu keine Norm.
UV-Schutz: UPF, UV-Standard 801 und Prozent
Drei Angaben, drei Verfahren:
- UPF nach AS/NZS 4399: australisch-neuseeländische Norm. Die australische Strahlenschutzbehörde ARPANSA führt 50 und 50+ als „excellent protection“.
- UV-Standard 801: prüft Stoffe neu, nass, gedehnt und gealtert und wertet den schlechtesten Wert (uvstandard801.com). Für Beschattungsstoffe nennt UV-Standard 801 Werte zwischen UPF 5 und 80, je nach Material und Farbe.
- Prozent: Glatz gibt für alle Bezüge mehr als 98 % UV-Schutz an, „egal welcher Stoffqualität“; laut Informationsblatt entspricht das „SPF 50+“.
Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar: ein „UPF 80 nach UV-Standard 801“ ist ein anderer Test als ein „UPF 50+“. Fragen Sie, nach welchem Verfahren geprüft wurde. Die Farbe kann mitzählen: MAY gibt für MayTex-Acryl je nach Farbe UPF 40, 60 oder 80 an, Bahama nimmt beim betex®05 die Farbe schnee 9577 von UPF 50+ aus. Der UPF beschreibt den Stoff, nicht die UV-Menge am Tisch: Wie viel UV unter dem Sonnenschirm ankommt.
Wassersäule: Schauer ja oder nein
Gemessen wird nach DIN EN ISO 811 (Ausgabe 2018), die DIN EN 20811 ersetzt; viele Datenblätter nennen noch den alten Namen. Je höher die Wassersäule in Millimetern, desto mehr Wasserdruck hält das Tuch aus, bevor es durchlässt. Sie beschreibt das Tuch, nicht Naht, Kragen oder Wind: Wasserdicht und windfest. Was die Wassersäule beim Segel bedeutet: Sonnensegel wasserdicht oder wasserabweisend.
Flächengewicht
In den Datenblättern unten: 200–310 g/m² für Polyester und Acryl, 480 g/m² für die PVC-Bespannungen von Bahama und MAY, 200–600 g/m² für PVC-Gewebe bei Ipomea, 700–1.500 g/m² für PTFE-Glasgewebe. Schwereres Tuch ist nicht automatisch besseres Tuch; es gehört zum Gestell, für das es konfektioniert ist.
Brandverhalten: B1
B1 heißt „schwer entflammbar“ nach DIN 4102-1; so ordnen es die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB 2025/1, DIBt, Anhang 4) und die Hersteller ein. Bahama („DIN 4102-B1“) und MAY („schwer entflammbar (B1)“) nennen B1 für ihre PVC-Bespannungen, MAY ausdrücklich „ohne Bedruckung“. Ob Ihre Genehmigung oder Ihr Veranstalter eine Brandklasse verlangt, steht in deren Auflagen, nicht im Datenblatt.
PFAS-freie Ausrüstung
Glatz: „Seit 2026 werden nur noch PFAS-freie Textilien beschafft.“ Bei den anderen drei Herstellern fanden wir dazu auf den Stoffseiten keine Angabe. Fragen Sie nach der Imprägnierung.
Was aktuelle Herstellerseiten dazu sagen
Alphabetisch, Stand Abruf 2026-10-08. Produktspezifikation — nicht DIN. „–“ heißt: auf der Herstellerseite nicht angegeben. Eine Auswahl der Schirmtücher; Bahama führt am Jumbrella zusätzlich das Polyestergewebe Swela elegance (ca. 310 g/m², Lichtechtheit ≥ 7–8, Dessin ZebraS ≥ 4–5, 350 mm, UPF 50+), MAY führt zusätzlich das Digitaldrucktuch MayTex-D01 (Weiß, UPF 50–80 nach UV-Standard 801, über 1.000 mm Wassersäule). Die UV-Werte stammen aus unterschiedlichen Verfahren (siehe oben).
Bahama
| betex®05 | Premium-Acryl | Precontraint 302 | |
|---|---|---|---|
| Material | 100 % Polyester, oberseitig beschichtet | 100 % Acryl, spinndüsengefärbt | PVC-beschichtetes Polyester |
| Gewicht | ca. 200 g/m² | ca. 300 g/m² | ca. 480 g/m² |
| Lichtechtheit (ISO 105-B02) | ≥ 6–7 | ≥ 7–8 | ≥ 7–8 |
| UV | UPF 50+ (außer Farbe schnee 9577) | UPF 50+ | UPF 50+ |
| Wassersäule | ≥ 1.000 mm | ≥ 350 mm | „100 % wasserdicht“, verschweißt |
| Brand | – | – | B1 (DIN 4102) |
Quelle: Bahama Pure und Bahama Jumbrella. Profil: Bahama im Herstellerverzeichnis.
Glatz
| Qualität 2 | Qualität 4 | Qualität 5 | |
|---|---|---|---|
| Material | 100 % Polyester, stückgefärbt | 100 % Polyester, spinndüsengefärbt | 100 % Polyacryl, spinndüsengefärbt |
| Gewicht | 220 g/m² | 250 g/m² | 300 g/m² |
| Lichtechtheit | Stufe 5–6 | Stufe 7 | Stufe 7–8 |
| UV | > 98 % | > 98 % | > 98 % |
| Wassersäule | > 100 mm | > 150 mm | > 350 mm |
| Brand | – | – | – |
Quelle: Glatz, Farben und Stoffe und Informationsblatt Stoffqualitäten, PDF. Die Spalten sind die Glatz-Stoffqualitäten 2, 4 und 5. Profil: Glatz im Herstellerverzeichnis.
Ipomea
| Polyester | Acryl | PVC | |
|---|---|---|---|
| Material | Polyester, PU-beschichtet | 100 % Acryl | PVC-Gewebe |
| Gewicht | 260 g/m² | ca. 300 g/m² | 200–600 g/m² |
| Lichtechtheit | – | 7–8 | – |
| UV | – | UPF 40–80 | – |
| Wassersäule | 1.000 mm | – | – |
| Brand | „brandhemmend“ | „brandhemmend“ | auf Wunsch schwer entflammbar |
Dazu PTFE auf Glasgewebe unter anderem für den Großschirm IPOMEA Pro: ca. 700–1.500 g/m², „nicht entflammbar“, „UV-Beständigkeit“.
Quelle: Ipomea, Sonnenschirm-Stoffe. Die PU-Beschichtung nennt Ipomea für Event- und Trichterschirme. Ipomea nennt alle eigenen Schirmstoffe „brandhemmend“, ohne Klasse.
MAY
| MayTex-Poly | MayTex-Acryl | MayTex-PVC | |
|---|---|---|---|
| Material | 81 % Polyester, 19 % Polyacryl | 100 % Polyacryl, spinndüsengefärbt | 71 % Polychlorid, 29 % Polyester |
| Gewicht | 230 g/m² ± 5 % | 300 g/m² ± 5 % | 480 g/m² ± 5 % |
| Lichtechtheit (ISO 105-B02) | ≥ 7 | ≥ 7 | ≥ 7 |
| UV (UV-Standard 801) | UPF 80 | UPF 40–80 | UPF 80 |
| Wassersäule | 1.000 mm | 370 mm | > 1.000 mm |
| Brand | – | – | „schwer entflammbar (B1)“, ohne Bedruckung |
Quelle: MAY, Farben und Textilien. Profil: MAY im Herstellerverzeichnis.
Was heißt das für Gastronomie, Hotel und Event?
- Gastro-Terrasse mit Schauerbetrieb: Wassersäule und Naht vor Farbe. MAY schreibt, sein Acryltuch bleibe bei temporären Regenschauern regenbeständig, müsse danach aber baldmöglichst zum Trocknen aufgespannt werden. „Wasserdicht“ nennt MAY MayTex-Poly und MayTex-PVC.
- Hotel mit mehreren Schirmen: Stoffqualität und Farbnummer für Nachbestellungen festhalten, damit Pool und Terrasse gleich bleiben — siehe Beschattung im Hotel und Poolschirm.
- Event: PVC-Gewebe, wenn der Schirm auch bei Regen offen bleibt; Brandklasse nach Auflage klären, auch für den bedruckten Bezug.
- Neubespannung statt Neukauf: Bezug beim Hersteller des Gestells anfragen, mit Maß, Armzahl und Befestigung.
- Wärme unter dem Tuch: Wie viel kühler sich Schatten anfühlt und warum ein Stoffdach selbst Wärme abstrahlt: Temperatur in Sonne und Schatten.
Tuch, Gestell und Halt bestellen Sie als Satz: Gastronomie-Sonnenschirm, Großschirm. Im Herstellerverzeichnis stehen professionelle Hersteller alphabetisch, ohne Rang. Neubespannung oder neuer Schirm: Nennen Sie uns im Formular unten Nutzung, Maß und Armzahl.
Häufige Fragen
Ist Acryl oder Polyester besser für den Sonnenschirm?
Keine Rangfolge. Acryl erreicht bei allen vier Herstellern Lichtechtheit 7 oder höher, laut Bahama, Glatz und MAY aber nur 350 bis 370 mm Wassersäule; MAY nennt es wasserabweisend, nicht wasserdicht. Beschichtetes Polyester erreicht 1.000 mm (Bahama, Ipomea), spinndüsengefärbtes Lichtechtheit 7 (Glatz); MayTex-Poly nennt beides. Polyester ist meist auch leichter. Die Nutzung entscheidet.
Schützt jeder Sonnenschirm-Stoff vor UV?
Nicht automatisch: UV-Standard 801 nennt für Beschattungsstoffe Werte zwischen UPF 5 und 80. Die vier Hersteller geben für ihre Tücher hohen UV-Schutz an: Bahama UPF 50+ (beim betex®05 außer Farbe schnee 9577), Glatz mehr als 98 % für alle Qualitäten, Ipomea UPF 40–80 für sein Acryl ohne Angabe des Prüfverfahrens, MAY UPF 40 bis 80 nach UV-Standard 801. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Prüfverfahren und hängen teils von der Farbe ab.
Was heißt UV-Standard 801?
Ein Prüf- und Zertifizierungssystem für den UV-Schutz von Textilien. Es prüft Stoffe neu, nass, gedehnt und gealtert und gibt den schlechtesten Wert an. Ein Wert nach UV-Standard 801 ist nicht dasselbe wie UPF nach AS/NZS 4399.
Muss der Schirmstoff in der Außengastronomie schwer entflammbar sein?
Das steht in Ihrer Genehmigung oder den Auflagen des Veranstalters, nicht im Datenblatt. Für PVC-Bespannungen nennen Bahama und MAY B1, MAY nur ohne Bedruckung. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung: Sondernutzungserlaubnis.
Kann ich nur den Bezug wechseln?
Ja, wenn Maß, Armzahl und Befestigung zum Gestell passen. Fragen Sie den Hersteller des Gestells nach dem Ersatzbezug und nennen Sie die Stoffqualität, die Sie haben wollen.
Sonnenstand, Schattenlänge und Verschattungsgrad einer Fläche — reine Geometrie, weltweit gültig.
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