Windlage

Windwiderstandsklasse: Markise, Raffstore, Rollladen

Prüfdruck, Einfahrwert in m/s, Rollladenklasse nach PLZ.

Datenstand 2026-10-25·Redaktion Schatten Atlas

Die Windwiderstandsklasse sagt, welchem Prüfdruck ein ausgefahrener Sonnenschutz standhält — nicht, bis zu welcher Windstärke Sie ihn nutzen dürfen. Bei Markisen nach DIN EN 13561 steht Klasse 1 für 40 N/m², Klasse 2 für 70 N/m² und Klasse 3 für 110 N/m². Der Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz empfiehlt, Gelenkarmmarkisen der Klasse 1 ab 7 m/s einzufahren (rund 25 km/h), der Klasse 2 ab 10 m/s (rund 36 km/h). Nennt der Hersteller für Ihr Modell einen eigenen Wert, gilt dieser.

Markisen nach DIN EN 13561:

KlassePrüfdruckEinfahren laut Bundes­verband
0unter 40 N/m²kein Wert — nur nach Hersteller­angabe nutzen
140 N/m²Gelenk­arm­markise ab 7 m/s, rund 25 km/h
270 N/m²Gelenk­arm­markise ab 10 m/s, rund 36 km/h
3110 N/m²kein Klassenwert — Hersteller­angabe

Prüfdrücke: ITRS-Richtlinie Gelenkarmmarkisen (11/2018) für Klasse 0 bis 2, Schanz-Übersicht zu DIN EN 13561:2015 für Klasse 3. Einfahrwerte: Technische Richtlinie (TR) Windeinflüsse des Bundesverbands, Ausgabe April 2024, Abschnitt 5.3. Orientierung, kein Standsicherheitsnachweis. Belege unter Quellen.

Windklassen-Check

Was bedeutet die Windwiderstandsklasse?

Der Hersteller prüft das ausgefahrene Produkt nach DIN EN 1932 mit einem festen Druck, dem Nenndruck, und mit einem höheren Sicherheitsdruck. Beurteilt werden bleibende Verformungen und Bruch (TR, Abschnitte 5.2 und 5.5). Bei Gelenkarmmarkisen liegt der Sicherheitsdruck laut ITRS-Richtlinie bei 48 N/m² für Klasse 1 und 84 N/m² für Klasse 2. Besteht das Produkt beide Prüfungen, bekommt es die Klasse.

Laut ITRS-Richtlinie nennt die Norm keine Windgeschwindigkeit: „In der DIN EN 13561 wird kein Bezug zwischen den Windwiderstandsklassen und der Windgeschwindigkeit hergestellt.“ Die Grenze, ab der eingefahren wird, legt der Hersteller fest.

Die Klasse ist Teil der CE-Kennzeichnung: Nach Anhang ZA der Produktnormen ist der Windwiderstand als wesentliche Eigenschaft zu deklarieren. Für die CE-Kennzeichnung gelten laut Bundesverband weiterhin DIN EN 13561 in der Fassung 2008 und DIN EN 13659 in der Fassung 2009, weil die Neufassungen nicht harmonisiert sind.

Eine Pflichtklasse gibt es nicht. In der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen sind laut TR Windeinflüsse für Abschlüsse und Markisen keine Leistungsstufen oder -klassen festgelegt. Die Klassen je Windzone und Einbauhöhe sowie die Einfahrwerte auf dieser Seite sind Empfehlungen des Verbands.

Wie viel km/h hält Klasse 1, 2 oder 3 aus?

Die Norm nennt keinen km/h-Wert: Die Klasse ist ein Prüfdruck. Viele Seiten setzen Klasse 1 mit Windstärke 4 gleich, Klasse 2 mit Windstärke 5 und Klasse 3 mit Windstärke 6. Das ist eine verbreitete Gleichsetzung, keine Normangabe. Für dieselbe Klasse nennen die Quellen verschiedene Werte, am Beispiel Klasse 1:

QuelleWert für Klasse 1Art des Werts
DIN EN 13561, laut ITRS40 N/m², kein WindwertPrüfdruck
Bundes­verband, TR 2024einfahren ab 7 m/s, rund 25 km/hEmpfeh­lung für Gelenk­arm­markisen
markiluxbis Windstärke 5, 28 bis 37 km/h — ebenso Klasse 2Hersteller­angabe
Schanz-Übersicht9 m/s, 32 km/hHersteller­übersicht, nennt DIN EN 13561:2015 als Quelle

Herstellerwerte: Stand Abruf 25. Oktober 2026, keine Norm. Die oft genannten 28, 38 und 49 km/h für Klasse 1, 2 und 3 sind die Obergrenzen der Beaufort-Stufen 4, 5 und 6 nach dem Deutschen Wetterdienst — keine Werte aus der Norm. Für Rollläden lässt DIN EN 13659 laut TR keine Korrelation der Klassen zu Windgeschwindigkeiten zu; für Fenstermarkisen und Raffstores ist eine Zuordnung der Klassen zu Windgeschwindigkeiten laut TR nicht möglich.

Für Ihre Markise zählt der Wert aus Anleitung oder Leistungserklärung Ihres Modells. Fehlt er, ist der Einfahrwert des Bundesverbands die vorsichtigere Orientierung als die verbreiteten km/h-Angaben.

Beaufort-Stufen beschreiben laut Deutschem Wetterdienst die mittlere Windgeschwindigkeit in 10 m Höhe über freiem Gelände: Windstärke 4 reicht von 20 bis 28 km/h, Windstärke 5 von 29 bis 38 km/h, Windstärke 6 von 39 bis 49 km/h. Böen liegen darüber, und am Haus misst ein Windwächter anderen Wind als die Wetterstation. Stellen Sie den Windwächter deshalb nicht auf eine Windstärke aus dem Wetterbericht, sondern auf den Einfahrwert oder darunter.

Ab wann muss die Markise eingefahren werden?

Ab dem Wert, den der Hersteller für Ihr Modell nennt. Fehlt eine Angabe, empfiehlt die TR Windeinflüsse je Bauart:

BauartEinfahren abBedingung
Gelenk­arm­markise, Klasse 17 m/s, rund 25 km/h—
Gelenk­arm­markise, Klasse 210 m/s, rund 36 km/h—
Winter­garten­markise12 m/s, rund 43 km/hSchienen­führung im Standard­abstand auf der Dach­fläche
Senkrecht-, Fallarm-, Fassaden­markise, Markiso­lette10 m/s, rund 36 km/hFührungs­schiene in der Laibung, im Standard­abstand oder unter 300 mm vor der Fassade
Senkrecht- oder Fassaden­markise, Seil- oder Stab­führung8 m/s, rund 29 km/hwie oben
Fallarm-, Fassaden­markise, Markiso­lette6 m/s, rund 22 km/h300 bis 1.000 mm vor der Fassade

Quelle: TR Windeinflüsse, Abschnitte 5.3 bis 5.5 und Tabelle 15, Ausgabe April 2024. Bei 300 bis 1.000 mm Abstand gilt der Wert 6 m/s für Fallarmmarkise und Markisolette mit Führungsschiene, für die Fassadenmarkise mit Führungsschiene oder Seil.

Senkrechte Markisen mit Seitensaumführung (ZIP) können laut TR nach DIN EN 13659 bis Klasse 6 eingestuft werden. Zum Einfahren nennt die TR für sie Grenzwerte nach Größe (Tabelle 16): bei Montage bis 100 mm vor Fenster oder Fassade von 24 m/s bei kleinen bis 10 m/s bei großen Anlagen. Bei 100 bis 200 mm Abstand sinkt der Wert um zwei Stufen, bei 200 bis 300 mm um drei. Bei größeren Abständen, freistehenden Anlagen, geöffneten Fenstern und im Eckbereich gilt die Tabelle laut TR nicht.

Die Klasse hängt an der Montage: markilux schreibt, die Windwiderstandsklasse werde nur in Verbindung mit einer entsprechenden Montage erfüllt. Wie Markise und Großschirm auf der Gastro-Terrasse im Wind abschneiden: Markise für die Gastronomie.

Welche Windwiderstandsklasse braucht ein Rollladen?

Rollläden und Fensterläden werden nach DIN EN 13659 eingestuft, in Klassen 1 bis 6 mit Prüfdrücken von 50, 70, 100, 170, 270 und 400 N/m². Laut TR sollen sie so stabil gewählt werden, dass sie der Windlast am Gebäude standhalten. Welche Klasse das ist, hängt von Windzone, Lage und Einbauhöhe ab. Die TR Windeinflüsse empfiehlt im vereinfachten Verfahren bis 25 m Einbauhöhe:

EinbauhöheBinnenland, Zone 1 · 2 · 3 · 4Küste, Zone 2 · 3 · 4
bis 10 m2 · 3 · 3 · 44 · 4 · 4
10 bis 18 m3 · 3 · 4 · 44 · 4 · 5
18 bis 25 m3 · 4 · 4 · 44 · 4 · 5

So lesen Sie die Tabelle: Zone 2, Binnenland, 12 m Einbauhöhe → Klasse 3. Werte aus Tabelle 8 der TR Windeinflüsse (April 2024), vereinfachtes Verfahren. Einbauhöhe ist der Abstand von der Geländeoberkante bis zur Oberkante des Kastens oder der Öffnung.

„Küste“ heißt: Nord- und Ostseeküste in einem Streifen von 5 km landeinwärts, dazu die Ostseeinseln. Für die Nordseeinseln nennt die Tabelle nur Zone 4 bis 10 m Einbauhöhe: Klasse 5; darüber nennt die TR in Tabelle 9 eigene Werte, das ordnet ein Fachplaner ein. Eine Küstenspalte für Zone 1 hat die Tabelle nicht; an Nord- und Ostsee liegt laut DIBt-Zuordnung auch keine Gemeinde in Windzone 1.

Die Windzone Ihres Orts zeigt der Windklassen-Check oben (Auswahl „Rollladen oder Fensterladen“), nach der DIBt-Zuordnung, Stand 2. Juni 2022; Karte und Erklärung: Windzonen in Deutschland.

Ein Fall aus der TR: viergeschossiges Wohnhaus in München, Windzone 2, höchste Einbauhöhe 11,50 m, Umgebung unbekannt. Tabelle 8 zeigt dafür Klasse 3; das Anwendungsbeispiel 1 der TR nennt für denselben Fall Klasse 4. Klären Sie diese Abweichung mit Hersteller oder Fachplaner — Klasse 4 liegt auf der sicheren Seite. Liegt das Haus in der Innenstadt zwischen 15 und 20 m hohen Gebäuden, gilt Geländekategorie IV; nach dem detaillierten Verfahren reicht laut TR dann Klasse 2. Umgekehrt kann freies Gelände die Klasse erhöhen: Für Geländekategorie I oder II nennt Tabelle 10 bei 12 m Einbauhöhe in Zone 2 Klasse 4, vorausgesetzt das Gelände ist nahezu eben (höchstens 5 % Steigung).

Über 25 m gilt das detaillierte Verfahren der TR: Tabelle 9 bei unbekannter Umgebung, Tabelle 10 bei bekannter Geländekategorie — das rechnet ein Fachplaner.

Welche Windklasse hat ein Raffstore?

Laut TR wird für Raffstores und Außenjalousien derzeit Windklasse 0 angegeben. Der Grund: Die Prüfnorm DIN EN 1932 liefert für Raffstores keine sinnvolle Einstufung, eine Revision ist geplant. Die TR empfiehlt Herstellern deshalb, eine Windgeschwindigkeit zu nennen, ab der eingefahren wird.

Fehlt sie, gibt die TR Grenzwerte nach Führung, Breite und Höhe. Für seilgeführte Flachlamellen zum Beispiel: 17 m/s bis 1,5 m Breite und 2 m Höhe, 5 m/s bei 4,5 bis 5 m Höhe und über 3 m Breite. Die Werte gelten bei 200 mm Abstand zur Fassade. Bei 200 bis 300 mm Abstand sinkt der Wert um eine Stufe, bei 300 bis 500 mm um zwei; darüber gilt die Tabelle nicht.

Was aktuelle Herstellerseiten dazu sagen

Herstellerangaben, alphabetisch — Produktspezifikation, keine Norm. Stand Abruf 25. Oktober 2026.

Hersteller, BauartHersteller­angabeQuelle
markilux, Gelenk­arm­markisenin der Regel Klasse 2; Klasse 1 und 2: bis Windstärke 5, 28 bis 37 km/h; Klasse 0: „die Markise darf bei Wind nicht genutzt werden“Hilfe und FAQ
markilux, Fenster-, Glas­dach- und Pergola­markisenKlasse 2 oder 3, je Modell und Größe; Klasse 3: bis Windstärke 6, 38 bis 48 km/hHilfe und FAQ
MHZ, Senkrecht­markise mit Fallschiene Typ Mje nach Größe des Fall­profils bis Klasse 6, Beaufort 10Produktseite
ROMA, Raffstorenmit Seilführung ab etwa 39 km/h hochfahren; ab etwa 50 km/h nur robuste Systeme mit Schienen­führung; ab 62 km/h alle einfahrenBlog
WAREMA, windstabile Außen­jalousienspezielle Ausführungen „können bis Windstärke 10 im Einsatz bleiben“Produktseite

Was das für Gastro, Hotel und Planer heißt

Fragen an Hersteller oder Montagebetrieb:

  1. Welche Klasse und welche Normfassung stehen in der Leistungserklärung?
  2. Ab wie viel m/s soll das Modell in der geplanten Größe eingefahren werden?
  3. Gilt die Klasse für die geplante Montageart und den Abstand zur Fassade?
  4. Auf welchen Wert wird der Windwächter eingestellt, und wo sitzt er?
  5. Beim Rollladen: Welche Klasse ergibt sich für Windzone, Lage und Einbauhöhe?

Mit diesen Angaben reicht eine kurze Nachricht: Anfrage zu diesem Artikel.

Häufige Fragen

Wo steht die Windwiderstandsklasse meiner Markise?

Die Windwiderstandsklasse einer Markise steht in der Leistungserklärung zur CE-Kennzeichnung. Die Windgeschwindigkeit, ab der eine Gelenkarmmarkise einzufahren ist, muss der Hersteller laut ITRS-Richtlinie in der Bedienungsanleitung angeben. Der Windwiderstand ist eine wesentliche Eigenschaft, die Hersteller von Markisen nach DIN EN 13561 deklarieren müssen. Steht dort keine Klasse oder kein Einfahrwert, fragen Sie Hersteller oder Montagebetrieb.

Wie viel km/h sind Windwiderstandsklasse 2?

Windwiderstandsklasse 2 bedeutet einen bestandenen Prüfdruck von 70 N/m², keinen km/h-Wert. Der Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz empfiehlt, Gelenkarmmarkisen der Klasse 2 ab 10 m/s einzufahren, rund 36 km/h. Nennt der Hersteller für Ihr Modell einen anderen Wert, gilt dieser.

Ist eine Markise der Klasse 3 besser als eine der Klasse 2?

Eine Markise der Klasse 3 hat einen höheren Prüfdruck bestanden: 110 statt 70 N/m². Bei Gelenkarmmarkisen führt die ITRS-Richtlinie nur Klasse 0 bis 2. Klasse 3 nennt markilux für einzelne Fenster-, Glasdach- und Pergolamarkisen, mit der Herstellerangabe „bis maximal Windstärke 6“. Länger ausgefahren bleiben darf sie deshalb nicht automatisch — es zählt der Einfahrwert des Herstellers. Ob eine Bauart zur Fläche passt, entscheiden Lage, Montage und dieser Wert.

Gibt es eine Pflicht für eine bestimmte Windwiderstandsklasse?

Nein. Deklarieren muss der Hersteller die Klasse im Rahmen der CE-Kennzeichnung; eine Mindestklasse für Markisen und Abschlüsse ist laut TR Windeinflüsse des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz in den Technischen Baubestimmungen nicht festgelegt. Die Klassen je Windzone und Einbauhöhe in der TR sind Empfehlungen. Bauherr und Planer können sie im Vertrag festschreiben.

Warum haben Raffstores die Windklasse 0?

Raffstores haben Windklasse 0, weil die Prüfnorm DIN EN 1932 laut TR Windeinflüsse für sie keine sinnvolle Einstufung erlaubt; bis zur geplanten Revision wird Klasse 0 angegeben. Die Klasse 0 sagt deshalb nichts über die Stabilität. Maßgeblich ist die Windgeschwindigkeit, die der Hersteller zum Einfahren nennt.

Quellen

Alle Quellen abgerufen am 25. Oktober 2026. Die Datensätze des Windklassen-Checks (GeoNames-Postleitzahlen, DIBt-Zuordnung) haben wir am 25. August 2026 abgerufen.

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